1892 wurde mit dem Bau begonnen. Bauentwürfe wurden mehrfach abgeändert, es gab lange Baustops aus verschiedenen Gründen, zuletzt 1999 aus Geldmangel. 2001 hat ein Feuer in einem Querschiff gewütet. Und nun soll sie gerade erst zu zwei Dritteln fertig sein.
Mit der Metro und zu Fuß habe ich sie erreicht, noch nicht ahnend, was mich da erwartet.
Wenigstens die Häuser im Stadtteil Morningside Hights gefallen mir schonmal ganz gut, überall entdecke ich interessante Gebäude und Verzierungen.
Die Blumentöpfe in der ganzen Stadt werden auf Herbst umgestellt. Das heißt, dass überall verschiedenen Kohlpflanzen eingetopft werden. Hier werden gerade die Vorbereitungen getroffen.
Auf dem Gelände der Kirche komme ich als erstes zum sogenannten Peace Fountain, dem Friedensbrunnen. Friedlich sieht dieses Werk aus Bronze für mich nicht aus, eher verwirrend und bizarr. Ich habe das Werk mehrfach umkreist, ohne richtig schlau draus zu werden. Das Licht ist ungünstig, sodass ich die Details, die den Kampf zwischen Gut und Böse darstellen sollen, auch gar nicht richtig festhalten kann, um mir später meine Gedanken zu machen.
Der Erzengel Michael tötet gerade den Drachen mit einem Schwert, der Fuß des Ganzen soll eine Doppelhelix der DNA darstellen, 9 Giraffen turnen auf irgendwie dazwischen herum. Der abgeschlagene Kopf Satans hängt neben der Krabbe, ein halber gehäuteter Mensch liegt quer, und der Vollmond grinst dazu. Bestimmt ist noch mehr versteckt, aber es reicht mir auch so.
Ein paar Details kann man auf dem Foto wohl erkennen.
Nun versuche ich mein Glück in der Kathedrale. Beim Titelgeber für die Kathedrale handelt es sich um den Johannes, der die Offenbarung des Johannes geschrieben hat, nicht um denjenigen, dem das Evangelium des Johannes zugeschrieben wird. Die Offenbarung ist ein prophetisches Buch, wird auch Apokalypse genannt.
Mein nagelneuer Reiseführer (Ausgabe 2019 !) erzählt zwar etwas von Baustelle, aber wenn dort beschrieben wäre, was einen erwartet, ginge wahrscheinlich kaum jemand hin und zahlt noch 8 Dollar Eintritt.
Die Kirche ist so gut wie leer, bis auf die Baustelle und das, was man so auf einer Großbaustelle benötigt. Ein einziges Kruzifix steht offen herum, ein paar andere Teile sind in Plastik eingehüllt. Eine Vorstellung von der beeindruckenden Größe stellt sich unter diesen Umständen bei mir nicht ein.
Den Blick zum Eingang hin kann man nur erhaschen, wenn man sich schnell einmal in den Baustellenbereich schleicht. Kurz davor wird gerade eine Reihe des Chorgestühls abmontiert oder wieder aufgestellt.
Ich habe genug gesehen, mache mein Abschiedsbild draußen und gehe weiter.
Das Konzept dieser Kirche wird von manchen Leuten kontrovers diskutiert. Manche halten sie für die Kathedrale der Apokalyptiker, die bestimmten Weltverschwörungstheorien anhängen und teils von sehr einflußreichen Leuten unterstützt würden.
Man kann etliche Beispiele finden, die diese Theorien belegen sollen. So gibt es ein paar Säulen, an denen hoch oben apokalyptische Untergangsszenen New Yorks dargestellt sind. Die 5 apokalyptischen Reiter drängeln sich an einer anderen Säule. An einer weiteren fällt die Brooklynbrücke zusammen, eine Flutwelle kommt über die Stadt und speziell das Finanzzentrum. Auch die Skyline scheint zu wanken, Atompilze hängen drohend in der Luft.
Gefertigt wurden diese Werke in den neunziger Jahren, also nicht allzu lange vor dem furchtbaren 11. September.
Merkwürdig kann man auch die diversen sogenannten Gottesdienste finden, bei denen zB. halbe Zoos durch die Kirche marschieren, oder große Halloween- Feiern stattfinden. "The Great Prozession of the Ghouls" nennt sich das Spektakel, also Prozession der Monster. Und das in einer christlichen Kirche?
Gerade in diesem Jahr wurden in Nashville/Tennessee in einer katholischen Schule die Harry Potter Bücher aus der Bücherei entfernt, wegen der Bedrohung durch die möglicherweise doch wirksamen Zaubersprüche. Und bereits 2003 hat der damalige Kardinal Ratzinger gemeint, diese Bücher könnten das Christentum in der Seele zersetzen.
Und hier werden die Monster in der Kirche gefeiert? Ich finde es sehr merkwürdig.
Ich bewege mich nun zwischen Harlem und Morning Heights, und sobald ich am Frederick Douglass Circle vorbei bin, befinde ich mich am nordwestlichen Ende des Central Parks und will in die Upper Eastside der New York City. Irgendwie muss ich mir das alles merken, damit ich mich schneller auf den Plänen zurecht finde. Nur die Entfernungen schätze ich immer noch als viel zu gering ein. Siebenmeilenstiefel habe ich ja leider nicht dabei.
Frederick Douglass, dem in der Mitte des Kreisels ein Denkmal gesetzt wurde, gilt als einer der einflussreichsten Afroamerikaner des 19. Jahrhunderts. Er setzte sich für die Abschaffung der Sklaverei ein, war Frauenrechtler, Schriftsteller und Vieles mehr.
So wie ich mir das aber vorgestellt habe, nämlich von hier bis zum Metropolitan Museum zu laufen, wird es wohl nichts. Ein älterer Herr macht große Augen und rät mir dringend davon ab. Es sei viel zu weit. Ich solle lieber den Bus nehmen. Da ich sowieso schon schlapp bin, folge ich seinem Rat und steige beim Museum aus, nachdem der Bus endlose Zeit im Stau zugebracht hat.
Das "Metropolitan Museum of Art" ist das größte Kunstmuseum der USA und wird in 3 Jahren seinen 150. Geburtstag feiern.
Ein riesiges weltbekanntes Museum ist erwartungsgemäß auch sehr gut besucht. Eigentlich könnte man Tage hier verbringen und hätte noch lange nicht alles gesehen. Mehr als 3 Millionen Exponate sollen hier lagern.
Marlis und Erika sind auch hier, sie haben sich die Kathedrale erspart. Ihnen geht es wie mir. Es ist wunderbar, aber einfach alles zu viel, zu voll und zu groß, sodass es kaum möglich ist, nach Plan gewünschte Räume aufzusuchen, wenn man nicht die Absicht hat, hier den ganzen Tag auf den beinen zu sein. Ich hätte mich schon vorher auf einen Schwerpunkt beschränken sollen, wollte dann aber doch mehr sehen.
Hier ein paar Eindrücke aus der Vielfalt...
Eine tolle Aussicht auf den Central Park und die New Yorker Skyline hat vom Dachgarten aus. Das erhoffte Café existiert eher nicht. Evtl. kann man in einer der windigen Ecken ein Wasser bekommen. Die Menschen haben aber alle lieber die Aussicht genossen.
Ein Blick auf die Karte zeigt mir den Weg zum Solomon Guggenheim Museum, das ist nicht allzu weit entfernt.
Vor dem Museum versucht gerade ein Model mit möglichst gelangweiltem Blick den Anforderungen des Auftraggebers gerecht zu werden. Magermodels scheinen immer noch Hochkonjunktur zu haben.
Ich suche erst einmal das Café auf und lasse mich dort häuslich nieder.
Hier kann ich, zumindest bildlich, die Bekanntschaft des Architekten Frank Lloyd Wright machen, der im April 1959, 6 Monate vor Eröffnung des Museums verstarb.


Hier präsentiert er seinen Bauentwurf. Foto und Modell sind im MoMA zu sehen.
Gut gestärkt besuche ich nun zuerst die Sonderausstellung im obersten Stockwerk, die einzige mit Wartezeit.
Jean- Michel Basquiat war ein afroamerikanischer Graffitikünstler, der 1988 mit bereits 27 Jahren starb. Ihm ist die Ausstellung gewidmet, die sich mit dem Leben der Schwarzen und insbesondere der Polizeigewalt ihnen gegenüber beschäftigt. Vom mittellosen Künstler hatte er es bis auf eine Ebene mit Salvatore Dalí, Keith Haring und Joseph Beuys geschafft, fiel jedoch dann seiner Drogensucht zum Opfer. In der Ausstellung geht es speziell um den Fall seines afroamerikanischen Künstlerkollegen Michael Stewart, der in Polizeigewahrsam starb. Das erste Gemälde unten mit dem Titel "Defacement- the Untold Story" hatte Basquiat damals direkt an eine Wand bei Keith Haring gemalt. Das ist das Thema dieser Sonderausstellung. Das letzte große Bild ist von Keith Haring.
Danach geht's in der Spirale langsam abwärts. Diese Ausstellung muss ich erst einmal verdauen.
Insgesamt ist es hier nur mässig voll, überschaubar und Vieles gefällt mir ausgesprochen gut.
Joseph Beuys mit seinen Möbeln fällt irgendwie aus dem Rahmen.
Eine überschaubare Abteilung mit Klassikern macht mir echt Spaß.
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| Marc Chagall |
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| Vasily Kandinsky |
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| Paul Gaugin |
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| Von wem das Bild ist, habe ich vergessen. Es gefällt mir trotzdem! |
Jetzt steuere ich die Metro an. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg durch den Central Park.
Im Park sind viele Kinder in Gruppen unterwegs, um Ballsport zu betreiben. Solche Felsen gibt es an allen Ecken und sie sind praktisch, um z.B. die Rucksäcke zu deponieren.
Dies muss der meistfotografierte Baum im Central Park sein. Er hat genau die Farbe, in der man sich jetzt alle Blättern im Park wünscht. Erika und Marlis haben sich von einer Kutsche durch den Park fahren lassen.
Und genau an diesem Baum hat der Fahrer auch angehalten, sodaß sie ihn fotografieren konnten.
Patriotismus wird ja hier großgeschrieben. Daher trägt der Hund selbstverständlich ein selbstbestricktes Mäntelchen mit dem Muster der amerikanischen Flagge.
Ich stehe nun an der Haltestelle zum Naturhistorischen Museum, wo ich gar nicht hinwollte. Aber der Park ist eben riesig, und es ist eben ein gewisser Überraschungsmoment immer möglich, wenn man sich nicht tierisch genau an Pläne hält.
Bahnen kommen alle paar Minuten angerattert und schon hat das städtische Chaos mich wieder.
Auch an der Rockefeller Plaza komme ich auch schon wieder vorbei.
In der nächsten Metrostation wird Musik gemacht, während sich die Bahnen füllen fast wie in Japan. hier habe ich aber niemanden gesehen, der nachschiebt.
Am Columbus Circle, einem großen über- und unterirdischem Knotenpunkt, steht nicht nur eine Säule zur Erinnerung an den berühmten Christoph Columbus, sondern auch ein Trump Tower. Aber davon gibt es mehrere und der "Richtige" steht wohl an einer anderen Ecke.
An diesem Platz scheint fast alles in die Höhe zu streben.
Jetzt kaufe ich mir noch schnell einen Hot Dog an einem der Wagen, dann geht's endgültig zurück nach Harlem in die Wohnung. Marlis hat leckere frische Pizza besorgt.
Dieses Kunstwerk in der Metrostation am Columbus Circle von Sol LeWitt stammt von 2009. Ein ähnliches existiert auch im Metropolitan Museum.
Übrigens sollen in 215 der 468 Metrostationen New Yorks hochkarätige Kunstwerke zu sehen sein. Leider habe ich nur ganz wenige gesehen. Ohne Führung ist es eine anstrengende Sucherei, und einen guten Plan haben wir nicht entdeckt.
Die Kunst ist nur im oberen Bild zu sehen. Unten sieht man, dass die Metro und ihre Stationen schon viele Jahre auf dem Buckel haben. Vielleicht ist es auch eine Kunst, dass sie weiterhin so reibungslos ihre Fahrpläne einhalten.














































































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