Donnerstag, 24. Oktober 2019

Erholung zwischen den Brücken

24.10.19
Für meinen letzten Tag in New York habe ich nur eine ungefähre Vorstellung.
Ich möchte in den Chelsea Market und noch einmal an die Brooklyn Bridge, die ich ja nur im Dunkeln gesehen habe.
Um nach Lower Manhattan zu kommen, muss ich umsteigen. Die Metro spielt wieder den rasenden Roland und hält nicht an den üblichen Stationen, weswegen ich froh bin, meinen Metroplan dabei zu haben. Um 10 Uhr morgens ist es schon gestapelt voll, und ich muss 2x umsteigen. Zuerst an der Wall Street. Von da fährt ein kurzer Zug hin und her zur Central Station, und von dort aus bringt mich die Linie 4 zur City Hall.
Ein bisschen Kunst wird wenigstens geboten beim Umsteigen in der Grand Central Station..


Dann steige ich auch schon an der Chambers Street aus. Die Station kenne ich bereits. Sie soll unterirdisch sehr schön sein. Leider habe ich das erst später erfahren, sodaß ich mir kein eigenes Bild davon machen konnte.


Aber auch der Ausgang in die Säulenhalle ist nicht schlecht, besonders wenn man dann auch noch einen direkten Blick auf den zweiten Wolkenkratzer hat, den Frank Gehry für New York entworfen hat, den Beekman Tower. Bei diesem Licht strahlt er besonders schön. Er war mit 265 Meter Höhe und 76 Stockwerken 2011 sein bislang höchstes Gebäude und soll 900 Wohnungen beherbergen.




Ich steige also in der Tiefe unterhalb des Manhattan Municipal Building aus der Metro. Dieses Gebäude gehört zur ersten Wolkenkratzer- Generation New Yorks und wurde 1914 fertig gestellt. Bei seiner Fertigstellung war es mit 177m und 32 Etagen das dritthöchste Gebäude der Welt. Seine Ausmaße sieht man eigentlich nur auf dem Luftbild rechts gut. Auf der Spitze steht eine 20m hohe goldene Statue. Beide Bilder habe ich von Wikipedia.
Im Gebäude sind Verwaltungsabteilungen untergebracht.
Ausgerechnet Stalin soll dieser Bau so gut gefallen haben, dass er in Moskau Ähnliches anregte, nämlich die Lomonossow- Universität, die um 1950 erbaut wurde.
Bei einem Seiteneingang darf ich sogar eintreten. 2 Damen kontrollieren streng die Taschen und weisen mir einen Aufzug zu. Dazu erfolgt den Hinweis, mich bloß im dritten Stock nicht zu vertrödeln, sondern sofort wieder herunter zu kommen, wenn ich die Toilette aufgesucht hätte. Immerhin durfte ich rein. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe auf der anderen Seite des Gebäudes einen Herrn gefragt, wo es in der Nähe ein Café gebe. Er verstand, was ich eigentlich suchte und lief gleich mit mir um die Ecke, bat die Damen für mich um Erlaubnis.

Foto v Ciaraus-Wilipedia
Bild: D.Shankbone-Wikipedia
                           
Es sieht schon noch ein bisschen altertümlich aus in den Fluren. Ob bei uns das alles schon der Erneuerung zum Opfer gefallen wäre? Hier werden ja auch schonmal 30 Jahre alte riesige Verwaltungsgebäude platt gemacht, weil alles angeblich nicht mehr zeitgemäß ist.




Durch den City Hall Park laufe ich langsam in Richtung Brooklyn Bridge.


Bei Tage ist die Brücke fast genauso voll wie abends. Die Radfahrer haben es nun allerdings ein bißchen einfacher. Ich möchte trotzdem hier nicht mit dem Rad herumkurven.



Oben spazieren die Fußgänger, unten rauscht der Dauerverkehr.


Die Ausblicke von der Brücke sind phantastisch, aber das waren sie in der Dunkelheit auch schon, nur eben anders. Wer gute Augen hat, kann schon wieder die Freiheitsstatue sehen.


Während auf der einen Seite die Skyline dominiert, hat man zur anderen Seite einen freien Blick zur Manhattan Brücke.


In der Mitte der Brücke ist es etwas leerer, die wenigsten Leute überqueren sie wohl ganz.






Drüben angekommen, heißt es wieder einmal die Pläne zu studieren, um die Richtung zu finden. Aber eigentlich wäre es nicht nötig, fast alle wollen zu den Brücken.

Es ist mittlerweile Mittag, und da meldet sich grundsätzlich mein Magen. Eine große Pizzeria zwischen all den alternativen Läden, Kunsthandwerk- Betrieben und Lagerhallen kommt gerade recht. Es ist hart, hier einen Platz zu bekommen. Die Pizza schmeckt vorzüglich und ist, im Gegensatz zu den sonstigen Preisen in New York erstaunlich preisgünstig.


Hier ist das Durchkommen erschwert. Fast alle Leute wollen von sich ein Foto mit der Manhattan Bridge, und dies ist offenbar ein beliebter Standplatz für alle zukünftigen Mannequins und Modells.
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Die Stadtteile hier am Wasser in Brooklyn sind total in, vor allem Dumbo (:Down Under The Manhattan Bridge Overpass),
Vinegar Hill, Dumbo, Fulton Landing und Brooklyn Heights reihen sich hier entlang des East River aneinander. Alle liegen an oder unterhalb der Manhattan und der Brooklyn Bridge, und in mehreren kleinen Parks kann man sich auf einer Bank, dem Rasen, am Strand, im Café oder der Promenade entspannen.
Es ist einigermaßen ruhig hier, ausser wenn ein paar schnelle Bootsfahrer glauben, sich mit ihren aufgedrehten Bootsmotoren ins Zeug legen zu müssen und die Züge über die Manhattan Bridge rattern. Für Fußgänger gibt es dort oben keinen Platz.


Ich kann mich gar nicht satt sehen, zwischen den beiden Brücken.


Etwa 1922 erbaut, erfreute Jane's Karussell mit seinen 48 Pferden die Kinderherzen irgendwo in Ohio und seit 2011 hier am Ufer des East River.


Der eine Fotograf läßt die Braut im Schatten mit den blauen Stoffbahnen ihres Kleides wedeln.


Der andere geht lieber in die Sonne und läßt das Brautpaar stramm stehen.


Am Strand werden gerade irgendwelche Film- oder Fotoaufnahmen gemacht, das kommt hier an jeder Ecke vor. Ein unauffälliger Mann muss deswegen bestimmt 20x ebenfalls unauffällig am Wasser entlang gehen. Da hat es die Möwe schon einfacher, sie kann auffällig herumstolzieren, ganz wie es ihr gefällt.


Ich setze mich ans Wasser, genieße weiter die Sonne, die frische Luft, die relative Ruhe und den Blick über die Skyline von New York zwischen den beiden berühmten Brücken. Schöner kann man es kaum haben.



Ich muss mich losreißen, schließlich habe ich noch mehr vor.

Es gibt ein recht großes Einkaufscenter fast direkt am Wasser.  Da kann man wenigsten prima sitzen, einen Kaffee trinken und etwas essen. Leider kippe ich mir den Kaffee über meine helle Bluse . Elegant sehe ich danach bestimmt nicht aus. In den Fluren gibt es neben dem Kommerz auch ein bißchen Kunst.




Ich unterquere die Brooklyn Bridge und lande an der Bootsanlegestelle. Hier fuhr früher die erste Fähre zwischen Manhattan und Brooklyn hin und her, die Fulton Ferry.




Einen Panoramablick hat man eigentlich von überall hier.


Mehrere Platten im Boden erwähnen geschichtliche Daten zu eben diesem Fleckchen Erde.


In diesem ehemaligen Leuchtturmwärterhäuschen  (unten) befindet sich die bekannte Eisfabrik. Leider habe ich in dem Moment nicht daran gedacht, das Eis auszuprobieren. Ich war von all den anderen Dingen um mich herum zu fasziniert.


Ich suche mir den Weg zur nächsten Metrostation und mache mich auf den Weg in Richtung Chelsea Market. Auf meinem Plan entdecke ich Greenwich, und der Weg von Greenwich zum Market erscheint mir machbar. Also geht`s  früher raus aus der Bahn. Dann wiederum zeigt mir mein Plan den Washington Platz. Den hatte ich zusammen mit einem Triumphbogen in meinem Hirn gespeichert. Die kleine Kurve werde ich ja wohl auch noch hinkriegen, alleine um zu schauen, ob meine Erinnerungen stimmen.
Der Chelsea Market ist damit aber ein großes Zickzackstück entfernt.
Zum Park ist es nicht weit. Schachspieler warten dort schon betont gelangweilt auf Spielpartner. Ich komme mir vor wie in Lima.



Für südindisches Essen habe ich leider gerade keine Zeit. Es sieht sehr lecker aus!


Direkt an den Park angeschlossen ist ein Hundepark, den man nur als Hundebesitzer mit Hund betreten darf. Die doppelten Türen werden sorgfältig zugemacht, und schon kann auch Bello ohne Leine mit seinesgleichen kommunizieren. Die Hunde mitten in New York tun mir zwar leid, wenn der Besitzer gerade einmal um den nächsten Baum schlurft und sich dann zurückzieht mit seinem  Tier. Andererseits muss ich sagen, dass mir hier alle Hunde sehr friedlich vorkommen, und es gibt unheimlich viele davon. Nicht ein einziges mal habe ich einen Hund bellen hören.



Wer nicht mehr kann, dem wird geholfen und so die Teilnahme am Leben ermöglicht.



Von der Sorte Baum (oben) gibt es hier mehrere, und unter so einem schönen Baum lassen sich die Hörnchen natürlich auch gerne nieder.



Die Leute liegen mit oder ohne Hund in der Sonne auf den Wiesen herum oder sitzen rund um den gepflasterten Platz und schauen dem Treiben zu. Ein paar Musiker bereiten sich gerade auf ihren Auftritt vor. An 2 Ständen werden Anti- Trump- und andere Anstecker verkauft.



Der Springbrunnen zaubert immer neue Regenbögen in die Luft.


Raus geht`s durch den Triumphbogen von 1895 aus Marmor und rein nach Greenwich.



Dort werfe ich einen kurzen Blick in die sehenswerte Bibliothek, die ursprünglich ein Gerichtsgebäude war und um 1875 erbaut wurde. Es gäbe Vieles, vor allem über die Jahre als Gerichtsgebäude zu erzählen. Der 52m hohe Turm diente ursprünglich als Feuerwache.
Vor circa 140 Jahren wurde das Gebäude anläßlich einer Architektenbefragung zu den 10 schönsten Gebäuden der USA gezählt. Zum Glück wurde es mit viel Engagement vor dem Abriss bewahrt.




Nicht weit entfernt wacht die Feuerwehr. Die Tore sind meist individuell und ganz witzig bemalt.


Ein paar Schritte weiter wird es erst gemütlich und dann natürlich ganz schrecklich gruselig.






Zum Glück habe ich mich in den vielen Spinnweben nicht verfangen. Auf der Strasse ist kaum jemand unterwegs, höchstens mal ein Hundesitter oder eine Mama mit kleinen Kindern. Als Filmkulisse kann ich mir diese Sorte Strasse gut vorstellen.



Hier schmückt niemand das Haus, sondern die kleinen bunten Glasscheiben werden geputzt. Das muss ja auch mal sein.


Die Laura Speelman Hall wurde ursprünglich als Unterkunft für unverheiratete junge Frauen gebaut. Der Erbauer wollte ihnen damait die Möglichkeit geben, an einem angenehmen Ort potentielle Ehemänner zu treffen und damit vor dem Schicksal bewahrt zu werden, eine alte Jungfer zu werden.
Von 1920 bis 1950 war das Haus dann unter Regie des YWCA (Christlicher Verein Junger Frauen) wieder nur für junge Frauen, die einen Job hatten. Damit diese nicht andernorts unter die Räder kamen, konnten sie sich hier preisgünstig einmieten. Laura Speelman Hall war in dieser Zeit der offizielle Name des Gebäudes. Es ist der Mädchenname von Rockefeller Gattin, die fromm und sittenstreng gewesen sein soll.
Es ist ein großer sechsstöckiger Block, was man auf dem Foto natürlich nicht erkennen kann. Mittlerweile sind die Räume für Unsummen als Wohnungen verkauft worden.


Damit bin ich auch schon wieder fast raus aus Greenwich und im Meetpacking District, den ich mindestens einmal durchlaufen habe. Trotzdem habe ich dabei offenbar mehr übersehen als gesehen. Den Eindruck habe ich heute jedenfalls.




In Manhattan soll es mehr als 240 Starbucks Läden geben. Ich bin im größten von ganz NY gelandet, dem Starbucks Reserve Rostery. Im Meatpacking District, direkt neben dem Chelsea Market wurde die Rösterei 2018 eröffnet.
Man kann beim Rösten zusehen und Kaffee trinken. Auch Tee ist im Angebot und eine Bar ist integriert. Frische Backwaren, diverse Sachen wie Kleidung sind im Angebot. Vielleicht sind das ja die ersten Schritte hin zur "Tchibo-Isierung"?






Nun will ich aber endgültig zum Chelsea Market. Der Markt besteht aus einem ganzen Gebäudekomplex, der um 1890 erbaut wurde. Ein Einkaufszentrum, die Halle mit den Nahrungsmitteln, Bürozentren und TV- Produktionsstätten haben sich niedergelassen. Auch Google und You Tube residieren irgendwo in den oberen Etagen.





Drinnen ist es recht voll. Ähnlichkeiten mit unseren Markthallen entdecke es nicht, aber ich bin auch nur einen Gang entlang gegangen. Dort befinden sich fast nur Restaurants der unterschiedlichsten Art, auch Deutsches Bier wird angepriesen.

Es gibt ein einziges Lobster Restaurant, das Lobster Place, und da will ich hin. Nachdem das eigentlich an Kanadas Ostküste geplante Hummeressen buchstäblich ins Wasser gefallen ist, möchte ich wenigstens einmal hier Hummer essen.
In dem großen Lokal drehe ich zunächst ein paar Runden, bis mir klar ist, wie das hier vor sich geht, und was ich eigentlich essen möchte.




In der Mitte gibt es eine riesige raumfüllende Theke mit Sitzplätzen. Diese dürfen nur nach Anweisung eingenommen werden. Auf den leeren Sitzen sind Servietten platziert. In der Mitte sieht man alle Arten von Seafood liegen, wovon man sich dann nach Herzenslust etwas aussuchen soll, gegen Bezahlung natürlich.
Die Hummeresser sind zum Stehen in der Ecke verbannt. Dort gibt es einige Tische, um die man sich einfach aufstellt und loslegt.
Vorher muss man sich allerdings entscheiden, welche Hummergröße man haben will. Es gibt 4 Größen mit entsprechenden Gewichten und Preisstaffelung.


Das ist der kleinste Hummer. Für mich ist er groß genug und vor allem: er schmeckt! Die größeren Exemplare ragen deutlich über die Ränder des Tabletts hinaus.



Man bestellt an der Theke, wartet bis er fertig ist und holt ihn ab. Er liegt nackt und bloß auf einem Teller, sein Gehäuse ist schon geknackt.  Dazu gibt es braune Papiertücher und ein dünnes Plastikspießchen, mit dem man das Hummerfleisch aus den dünnen Teilen holen soll.Was in dem kleinen Töpfchen ist, konnte ich nicht identifizieren. Es hat nach nichts geschmeckt, ist mir dann auch noch umgekippt. Ausgesehen hat es wie flüssige Butter, es wird wohl kein Fingerspülwasser gewesen sein.
Getränke gibt es auch im Becher oder halt gleich aus der Dose. So richtig gemütlich ist dass nicht, aber praktisch.
Bevor man sich aber noch keine leicht gepuderten dünnen Latexhandschuhe geholt hat, braucht man nicht loszulegen. Alle machen das so, also ich dann auch, nichts wie ran.
Es dauert nicht lange, da haben die Handschuhe schon ein Loch, aber ich esse tapfer weiter.
Der Hummer schmeckt wirklich gut, ist reichlich, jedenfalls für mich. Wenn ich aber ganz ehrlich bin, dann hat mir die Lobster Roll am Rockefeller Platz fast besser geschmeckt. Da gab es auch reichlich Hummerfleisch. Und das war schon in kleine Teile geschnitten, hat mir nicht so viel Mühe bereitet.
Vorbei an den Gruselteilen im Gang verlasse ich nun diesen Ort.




Ich bin auf der Suche nach der nächsten Metrostation.



Besonders anheimelnd ist es hier nicht, aber die Bahn wird mich zum Ziel bringen. Und so trostlos wie an der Station geht es in der Bahn weiter.


Das ist einer von vielen armen Obdachlosen in der Stadt, der aber insgesamt den Eindruck macht, als würde er nicht nur auf der Strasse wohnen. Aber schwer ist so ein Leben schon!


Dieser Papa fährt mit seiner Tochter in der Bahn. Bestimmt 15 Minuten lang kuschelt sich das Kind wortlos und mehr oder weniger regungslos an ihn. Er hat nicht einen Bruchteil einer Sekunde Zeit für sie, ist ununterbrochen mit seinem Smartphone beschäftigt. Als sich die Türen an einer Station schon fast schließen, fällt ihm auf, dass es die Station ist, wo er raus will. Wortlos dreht er das Kind in Richtung Tür und schiebt es wie ein Holzpferd raus. Das Kind machte einen ganz verdatterten Eindruck. Vielleichte hat es, im Gegensatz zu dem Obdachlosen ein Zuhause, aber seine Kinderseele kam mir in dem Moment richtig homeless vor.


er ist beschäftigt
er dreht und schiebt




















Meine Erkundungstage in New York sind nun vorbei. Marlis hat sich auch noch einmal die Schuhsohlen abgelaufen. Ich glaube, Marlis hat die 5th Avenue unsicher gemacht und geguckt, ob Trump zu Hause ist, hat aber auch den Central Park, Carnegie Hall und Metropolitan Opera heimgesucht. Und Erika ist am Morgen noch Hop On Hop Off Bus gefahren. Alle Achtung, das wäre mir zu stressig gewesen am Reisetag.

Erika ist schon am Flughafen. Marlis und ich gehen morgen früh noch einmal zum Hudson River und fahren mittags zum Flughafen.

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