Freitag, 4. Oktober 2019

Gros- Morne- Nationalpark und kleiner Fischerhafen...


Heute fahren wir an der Westküste Neufundlands entlang, hinein in einen schönen Fjord, der sich in einen südlichen und östlichen Arm aufspaltet, die Bonne Bay.


Am Eingang zum südlichen Arm liegt der Ort Woody Point, die zentrale Gemeinde im südlichen Gros- Morne- Nationalpark, und da liegen wir auf Reede.
Bei schönstem Wetter haben wir reichlich Zeit, die tolle Gebirgslandschaft vom Schiff aus zu bestaunen. Auf den Berghöhen kann man Reste des ersten Schneefalls von dieser Nacht entdecken.
Auf einer Seite liegen die Hochfläche der Tablelands, knapp 700m über dem Meeresspiegel..
Auf der anderen Seite geht es in den Ostarm hinein, und dort liegt auch die Gemeine Norris Point. Dort werden wir einen Stop einlegen und von oben auf den Fjord schauen können.
Aber das alles kommt noch, ich habe nämlich einen Ausflug gebucht, der möglichst viel von der Landschaft zeigen soll.



Gegen 10 Uhr erreichen wir Woody Point.

links: Hochplateau der Tablelands

einmal Rundumblick      - alles Gros- Morne- Nationalpark -       mittig: Tablelands

...himmlischer Himmel...

egal wohin man schaut...

...alles ist einmalig...

ab 12.30 wird getendert...

das Ziel  ist Woody Point

vom Bus aus sieht die Amadea winzig aus

Wir fahren etwa eine Stunde durch faszinierende Landschaft. Auf der einen Seite ist oft der Fjord zu sehen, auf der anderen Seite die unendlichen Wälder.
Ab und zu gurgelt ein Bach in seinem Kiesbett, und gelegentlich tauchen Tümpel oder Seen auf.
Zum Fotografieren vom Bus aus sind die Voraussetzungen denkbar schlecht. Entweder spiegelt es, der Bus fährt zu schnell oder ich sitze mal wieder auf der falschen Seite.




Im Nationalpark- Infocenter gibt es einen Film über den Park und die Entstehung der Landschaft im Laufe der Erdgeschichte. Danach bleibt noch sehr wenig Zeit, ein wenig die Natur zu genießen. Ich verzichte auf den Film und laufe gleich los, in der Annahme, ein paar tolle Aussichtspunkt zu entdecken.
Auf den verschiedensten Ankündigungen über den NP  hatte ich diverse Fotos mit grandiosen Ausblicken über die Buchten entdeckt und mir eingebildet, dass man zu solchen Aussichtspunkten einfach mal laufen könnte. Mittlerweile weiß ich, dass genau der spektakuläre Ort nur nach tagelangen Märschen durch die Wildnis erreichbar ist, also unmöglich für den "normalen Touristen". Auf dieses Reklamefoto sind schon viel Leute hereingefallen und waren dann enttäuscht.



Ich war zwar völlig alleine auf einem schmalen Waldweg und die Infodame hat mich vor Elchen gewarnt. Aber ich glaube kaum, dass sich gerade hierher ein Elch verläuft. Hinter den Baumreihen hört man die Autos von der Strasse, und beim Besucherzentrum wird auch dauernd geparkt. Als Elch würde ich bei der Umgebung Reißaus nehmen.
Es ist richtig schwer, ein paar Bäume ohne Stromkabel aufs Bild zu bekommen, weil überall die überland geführten Kabel herumhängen. Nur wenn man 4-5 Schritte zwischen das Gewirr der Bäume macht, ist man sie los. Weit kommt man da aber auch nicht, und Ausblicke auf die Bucht sind nicht in Sicht.



Ein Elch kommt nicht vorbei, die beeindruckenden Berge lassen sich randständig ablichten. Ich glaube, ich hätte vielleicht meine Touris woanders zum Spazierengehen hingeschickt!


Elch und Bär sitzen derweil sprachlos im Besucherzentrum herum.


Der nächste Besichtigungspunkt ist das:  Lobster Cove Head Lighthouse. Hier kann man bis fast zum Wasser gehen, den Leuchtturm umrunden, und auch in den Wäldern gibt es gekennzeichnete Spazierwege.
Zum Leuchtturm selbst gibt es eine wahre Geschichte.
Als ein Schiff leuchtturmnah auf Grund lief, konnten alle Menschen gerettet werden. Ein 3 Monate alter Säugling allerdings nur mit Hilfe eines Labradors, der es in einem Säckchen gut verpackt, schwimmend an Land brachte.




Der letzte Stopp heute ist der Aussichtspunkt von Norris Point.
Man kann von hier aus weit in die Buchten blicken und auch auf unser Schiff.
Dass wir den ganzen Tag Sonnenschein hatten, ist ein richtiger Glückstreffer.


An riesigen Heckenrosenbüschen hat es noch wenige Blüten, dafür umso mehr dicke Hagebutten.


Das hübsche Windspiel, das mehr oder weniger am Straßenrand wie ein Wegweiser zum Leuchtturm steht, erinnert mich an einen Maibaum. Die halbe Tierwelt Kanadas haben die Künstler hier verbaut.



Es wurde 2017 erst installiert und nimmt Bezug auf die natürliche Umgebung und ihre Bewohner. Das ebenfalls am Aussichtspunkt stehende historische Holzgebäude, das als Heimatmuseum und Café dient hat bereits im September seine Winterpause eineleitet.
Beim Rückweg genieße ich noch ausführlich die Farbenpracht und freue mich auf einen, vom Reiseleiter angekündigten  außerplanmäßigen Stopp bei den Tablelands.




Ein Besuch des Gros- Morne- NPs sei unvollständig, wenn die Tablelands nicht dabei sind, heißt es.
Die Landschaft soll mondähnlich sein, steinig mit fast keinem Bewuchs. Die Steine stammen aus einer Zeit, die viele Millionen Jahre zurück liegt, in der die Erdplatten aneinander stießen und Material aus dem Erdmantel empor schoben.
Leider bekommt unser Bus plötzlich ein Problem und bleibt alle paar Meter stehen.Wir sehen unser Schiff und wissen doch nicht, wann wir rauf können. Der Fahrer meint dann, dass der Motor überhitzt sei und wir es trotzdem noch bis zum Tenderboot schaffen würden. Haben wir hoppelnd auch geschafft, die Tablelands waren damit aber leider buchstäblich ins Wasser gefallen.


Da Beste kommt zum Schluss, sagt man ja so häufig. Und so war es heute auch!
Die nächsten 90 Minuten, bis zur Abfahrt des letzten Tenderbootes, ist freie Zeit! Und die kommen mir gerade recht! Von Woody Point habe ich ja noch überhaupt nichts gesehen.



Ich gehe ein bisschen die Küstenstrasse entlang und biege Richtung Wasser ab. Im Vorgarten stehen hier kleine Leuchttürme, so wie in anderen Ländern Gartenzwerge.
Keine 10 Minuten vom Anleger entfernt, am scheinbaren Ende von Woody Point, entdecke ich einen kleinen Leuchtturm. In dem einmalig schönen Abendlicht ist das ein richtiger Hochgenuss. Auf einem felsigen Kliff steht das "Woody Point Lighthouse" von 1919. Allerdings ist dies eine Kopie von 1959. Mit seinem quadratischen Bau aus Holz und der hölzernen Laterne ist er wirklich ein Schmuckstück. Von ihm aus blickt man in den Südarm der Bonne Bay.  

Haarscharf an der Steilküste entlang führt mich dann ein kleiner Trampelpfad zum Strand mit seinen Fischerhäusern und zur nächsten Ansiedlung.


Ein einziges Paar vom Schiff findet auch den Weg hierher, verschwindet aber schnell wieder. Zum schnellen Foto hat es aber gereicht...





Es geht ziemlich bergab, und ersten Häuser am Strand tauchen auf.





Keine Menschenseele ist hier unterwegs. Aus ein paar wenigen Schornsteinen kommt ein bisschen Rauch. Die Boote liegen alle am Ufer oder auf dem Strand.
Der Strand ist steinig, mit einigen Muscheln, Knochenresten und relativ wenig Müll übersät.
Die Hummerfangkörbe stehen gut gesichert und gestapelt herum. Sie warten auf die nächste Saison.






So langsam muß ich ans Umkehren denken und meinen Weg finden. Über matschige Wege komme ich in das Wohngebiet.  Alle Grundstücke sind frei zugänglich, Zäune kennt man nicht.  Es ist auch hier kein einziger Mensch auf der Strasse oder im Garten zu sehen. Gut, dass ich nicht nach dem Weg fragen muß. Die Richtung habe ich ja im Kopf.
Zu Hause sind wohl einige. Aus Schornsteinen quillt Rauch, in der guten Stube brennt Licht. Ein oder 2 große Autos parken ordentlich im gepflegten, blumenbewachsenen Vorgarten.


Am Leuchtturm komme ich noch einmal vorbei, und dort könnte ich auch noch länger bleiben, so gut gefällt es mir da.


Am Hafen erfahre ich, dass das letzte Tenderboot erst um 18.30 geht. Das reicht mir, um noch die andere Richtung zu erkunden.
Entlang der Hauptstrasse der kleinen, aber ehemals für den Fischfang sehr wichtigen Stadt gibt es ein paar Gebäude, die allesamt von außen eher schlicht aussehen. Es sind kleine Läden und das eine oder andere Lokal. 1922 wurde Woody Point durch einen Brand vollständig zerstört. Manche Leute beschreiben es als die schönste Stadt Neufundlands, besonders vielleicht auch wegen der Kulisse vor den Tablelands.

ein Gartenzwergleuchtturm

die Geschäftsstrasse

ein Gemischtwarenhaus

Zubehör der Fischhalle

das letzte Tenderboot naht




Der Tag war schön, der Ausflug auch. Aber am besten hat mir mein Abendspaziergang zum Leuchtturm und seiner Umgebung gefallen.

der freundliche Kreuzfahrtdirektor erwartet seine Gäste


Das (unten) gab es nicht zu sehen! Aber auf Prospekten über den Gros- Vorne- NP wird damit geworben.




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