Die Region Gaspé/ Percé besteht aus den kleinen Gemeinden und den wie üblich weit verstreut liegenden Wohnsiedlungen sowie einzeln stehenden Häusern. Das ganze Gebiet der Gaspésie- Halbinsel ist etwa so groß wie Belgien.
Die Halbinsel wird gebildet von den Ausläufern der Appalachen und war Siedlungsgebiet indianischer Ureinwohner. Speziell die Mi'kmaq siedelten hier und sollen auch heute noch hier in einem großen Reservat leben. Vom Namen eines ihres Stammes leitet sich auch die Bezeichnung Percé ab.
Sie gehören wohl zu den ersten Stämmen, die Kontakt mit Europäern hatten. Bereits im 16. Jahrhundert wurde ihr Land annektiert. Jaques Cartier fügte es einfach in das Reich der Französischen Krone ein. In Frankreich erblühte damals bereits die Mode, sich mit den aus Kanada importierten Pelzen zu schmücken. Die Idee kam also zur passenden Zeit.
Die Arbeitslosigkeit in dieser Region soll heutzutage sehr niedrig sein.
Zur Fertigung von Rotorblättern für Windräder, die hier haufenweise gelagert werden, musste Personal aus den Philippinen herbei geholt werden, da Kanadier diese Arbeit offenbar nicht schätzen.
Holzwirtschaft wird betrieben, aber mittlerweile reguliert, da man in der allgemeinen Gier viel zu viele Bäume umgelegt hatte.
Der Tourismus, insbesondere der mit den Kreuzfahrtschiffen, boomt seit letztem Jahr nicht mehr wie zuvor. Zum Schutz der Wale wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt. Nur 10
Knoten dürfen gefahren werden. Für große Schiffe mit eiligen Passagieren kommt die Tour erstmal nicht mehr infrage.
Nur 16 Kreuzfahrtschiffe waren in diesem Jahr hier. Im letzten Jahr sollen es 30 gewesen sein.
In den Flüssen der Umgebung soll sich viel Lachs tummeln und Laichplätze aufsuchen.
Haupthobby der Leute sei die Elchjagd. In der Jagdsaison seien sehr viele Männer im Wald unterwegs.
Auf meinem heutigen Ausflug werde ich vor allem viel Landschaft zu sehen bekommen. Zum Glück spielt das Wetter mit.

Schon morgens ist auf dem großen Golfplatz allerhand Aktivität.
An der Küste sieht man immer wieder Salzwiesen, auch felsige Berge, Wälder und sogar ein Indianerkopf tauchen auf.
Dieser schaut traurig in Richtung Land, weil -wie in der Sage erzählt wird- er als liebender Jüngling so lange nicht aufs Wasser schauen wollte, bis seine entführte Herzallerliebste zurückkehrt sei. Leider ist er während des erfolglosen Wartens zu Stein geworden.
Die höchste Erhebung auf der Gaspésie- Halbinsel beträgt 1268m. Auf der Küstenstrasse, der Route 132 geht es nicht nur flach zu. Immer wieder erheben sich ziemlich steile Felsberge zwischen Strasse und Wasser.

Es ist gerade Ebbe, aber auch bei Flut würden keine 2m Wassertiefe erreicht, erzählt mir ein Mann im Hafen, wo wir vergeblich im "kleinen pittoresken Fischerdorf Anse-à-Beaufils" Ausschau nach den kleinen Booten halten, die es laut Ausflugsbeschreibung hier zu sehen gibt. Die Hummerfang- Saison ist vorbei. Die Hummerkästen sind an Land gestapelt, und Touristenströme sind nicht zu erwarten.
Dann fahren wir fix zum nächsten Haltepunkt. Hier kann auf einen recht steilen Hügel mit Gipfelkreuz kraxeln, welches von Fischern immer wieder erneuert wird. Der Blick geht bis zur Insel Bonaventure, die Nationalpark ist und als größtes Vogelrückzugsgebiet der Welt gilt.
Fast 50.000 Basstölpel bilden hier auf Bonaventure die größte Basstölpel- Kolonie Amerikas.
Das anschließende Mittagessen ist mir nicht groß in Erinnerung geblieben. Eine Erleuchtung war es wohl nicht. Auffallend ist aber der blau geschmückte Weihnachtsbaum, der vielleicht ja der Einfachheit halber das ganze Jahr über stehen bleibt. Vielleicht hat er magische Kräfte und ist dafür verantwortlich, dass mein Smartphone plötzlich die Fotos von 3 Tagen völlig durcheinander bringt, was mich schier in die Verzweiflung treibt. Nicht nur das Datum würfelt er wild durcheinander, auch die Uhrzeiten stimmen nicht mehr.
Während drinnen noch einige Leute ihr Bier zu Ende trinken, reicht die Zeit gerade noch, um einmal die Dorfstrasse auf und ab zu gehen.
Viel los ist nicht, ich bin fast alleine unterwegs. Vor diesem Souvenirladen wacht ein großer Elch. Mehr gibt es auch schon nicht zu entdecken.
Unseren Bus kann man nicht so leicht verfehlen. Ein zweites Mal habe ich so eine Deko nicht entdeckt.
Nach dem Mittagessen folgen 65 Minuten Freizeit. 90 waren zwar angekündigt, aber eine Stunde reicht für Percé völlig aus. Sogar die Kirche ist in der Zeit noch drin und ein Aussichtsturm an der Strandpromenade.
Von der langen, hölzernen Promenade aus sieht man das Wahrzeichen von Percé besonders gut, den Kalksteinfelsen "Rocher Percé". Die Ebbe ist mittlerweile vorüber, sonst kann man dorthin sogar zu Fuß gelangen. Er ist fast 90m hoch und fast 450 m breit.
Vom Aussichtsturm aus hat man einen guten Überblick.

Bis auf ein paar Touristen vom Schiff ist keiner unterwegs. Die Sonne scheint, es ist nur wenig Wind. Da lässt es sich gut aushalten am Wasser. Aber irgendwann muß auch ich weitergehen. Vorbei an der kleinen Holzkirche (?) und der verschlossenen Fischhalle gibt es noch die Gelegenheit, die große Kirche zu besichtigen. Allzu alt ist sie nicht, sieht aber nicht schlecht aus. Der große Friedhof daneben ist äußerst gepflegt.
Die schöne Allee abwärts führt der Weg wieder zur Hauptstrasse, wo der Bus wartet.
.Rechts und links der Strasse stehen schöne etwas älter und gemütlich aussehende Häuser
In den Gärten hängen schon die Vorzeichen des nahenden Halloween.
Ein Indianer grüßt von der Holzfassade herab. Hier, an der Hauptstrasse, ist ein kleines bißchen mehr los. Aber nicht mehr lang, die ersten Bootstouristen besteigen schon ihren Bus. Ich bin auch gleich dran.
Jetzt geht es zurück zum Schiff, die Sonne geht bald unter, das Licht ist immer noch schön.
Bei der Rückfahrt hat man, falls man sich rechtzeitig nach hinten umdreht, noch einmal einen schönen Blick über das besuchte Gebiet.
Und auch am traurigen Indianer kommen wir noch einmal vorbei. In diesem Licht finde ich ihn viel schöner.
Herrlich sind die gefärbten Wälder, die sich nicht fotografieren lassen. Entweder fahren wir zu schnell, oder die Sonne steht ungünstig. Auf der Rückfahrt wird es dann ganz schnell dunkel.
Wenn man aber bedenkt, dass die Farbenpracht nur kurz anhält, dann ist es schon großes Glück,
rechtzeitig zur Stelle zu sein. In ein paar Tagen sei der Zauber schon vorbei und die Blätter alle abgefallen.
Ein Österreicher vor mir im Bus, der mir sonst nur durch ständiges Singen auffällt, schaut sich empört um, als ich einmal huste und drückt dann mehrfach seine drei Haare an den Hinterkopf, in der Hoffnung, meinen vermeintlichen Angriff unbeschadet zu überstehen. Seine Begleiterin habe ich nur stumm erlebt, allerdings hat sie den empörten Blick mit ihm solidarisch geteilt.
Überhaupt scheinen die Nerven mancher Gäste durch die lange Schiffsreise ziemlich strapaziert zu sein. Ein kleiner Mann giftet mich am Strand an, ich hätte wohl hinten und vorne keine Augen, weil ich ihm schon 2x ins Bild gelaufen sei.
Ich habe den armen Kerl dann bemitleidet, weil er offenbar keinen Mund hat.
Später erzählen Marlis und Heidi ebenfalls von Gepöbel und Geschubse auf ihrem Ausflugsboot. Schon ulkig, wie sich die Leute allmählich entblättern. Die beiden waren auf Walbeobachtung.
2 Menschen von Bord sind heute übel hingefallen. 1x scheint sich der Verdacht auf eine gravierende Schulterverletzung nicht bestätigt zu haben. Für den zweiten Fall hat sich offenbar jemand endlich dran gemacht, das defekte Röntgengerät zu reparieren, und es spuckte gleich darauf den Bänderriss aus. Da nicht nur umgeknickt wurde, sondern auch noch der Kopf an eine Mauer geknallt war, sieht der arme Mensch übel zugerichtet aus.
Bei einem anderen Ausflug in den Forillon Nationalpark wurden ein Bär und ein Stachelschwein gesichtet. 12x mindestens raus- und rein in den Bus sei angesagt gewesen. Der von mir vermisste Leuchtturm tauchte in jenem Ausflug auf.
Unsere zusätzlich angekündigten Fotostopps bestehen mehrfach aus nichts weiter als Langsamfahren des Busses, wobei natürlich eine Seite so gut wie nichts sieht.
Man weiß leider selten vorher, was der gebuchte Ausflug taugt, und auf das Essen unterwegs muss man auch nicht unbedingt neugierig sein.
Eine winzige Runde dreht der Bus noch durch Gaspé.
Im Dämmerlicht bringt uns das Tenderboot pünktlich zum Schiff zurück. Das ist erwähnenswert, da nicht selbstverständlich! Mit uns ankert ein Luxusschiff mit ganz wenigen Passagieren an Bord. Mindestens 7 Personen von diesem Schiff stehen frierend in Percé an der Bushaltestelle herum. Man hat einfach vergessen, sie zum Schiff mit zurück zu nehmen.
Da unsere Busse richtig voll sind, können nur 2 von ihnen mitgenommen werden und das Bordpersonal informieren. Das Theater an Bord wird es in sich haben!
Jetzt geht es hinein in die Nacht, nächstes Ziel: Halifax.
































































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