Dienstag, 8. Oktober 2019

ein Tag in Québec

8.10.19

Schon vor 7 Uhr morgens erreichen wir bei strahlend blauem Himmel Québec. Durch den Wind ist es ziemlich kalt an Deck, aber diese Ausblicke kann ich mir nicht entgehen lassen.


Um 9 Uhr gehen wir zu viert los. Schon am Eingang macht bei einer von uns der Kreislauf schlapp und sie lieber geht zurück aufs Schiff. Wir 3 steuern nun das Funicular an, die Standseilbahn, die zwischen Ober- und Unterstadt verkehrt. Auf dem Weg dorthin lernen wir schon ein wenig das Gedränge kennen, das entsteht, wenn 3 Schiffe gleichzeitig ihre Passagiere entlassen.
Etwa 500 stammen von der Amadea, knapp 2000 von der Zuiderdam und 3000 von der „Adventure  of the Seas“, die übrigens vor der Stadtkulisse völlig überdimensioniert wirkt und das Panorama regelrecht erdrückt.


Schlagartig beginnen nahe beim Terminal Geysire sich tanzend auf dem Gelände zu bewegen. Genauso abrupt wie das Schauspiel begonnen hat, ist es auch schon wieder beendet..  


Wir kommen am Musée de la civilisation vorbei. Die Wandbilder und die Kunst auf der Freitreppe interessieren mich. Auch möchte ich wissen, was es mit dem gelben Dach ganz oben auf sich hat.




Die Wege sind kurz hier. Schon grüßt das Château Frontenac von weitem, während sich die Halloweenlady in der Sonne entspannt. Gleich um die Ecke rührt ihre Kollegin in einem Hexenkessel.




Diese schöne Gasse in der Unterstadt verzaubert mit ihren Regenschirmen, die gerade noch genug Licht einfangen.


Hier findet gerade eine Fotosession vor dem Laden mit "Indianer- Equipment" statt. Eigentlich wollte ich ein Foto OHNE Menschen machen. Darauf zu warten hätte aber mir aber zu lange gedauert.




Über die älteste Treppe der Stadt, die Breakneck- Treppe (Léscalier Casse-Cou) von 1635, könnten weiter in Richtung Oberstadt gehen. Die erste Ausführung der Treppe hatte noch keine unterteilten Abschnitte und war so steil, dass man sie Halsbrechertreppe nannte. 

Wir bevorzugen die Standseilbahn in der Rue de Petit- Champlain, die uns 59m höher an der Bergstation wieder rausläßt. 



Die kleine Bahn bringt uns fix für 3,50$ nach oben. Bei schönstem Sonnenschein genießen wir oben die Ausblicke von der Dufferin-Terrasse vor dem historischen Hotel Château Frontenac, das die Silhouette der Stadt beherrscht. 1894 wurde es von der Canadian Pacific Railway Gesellschaft eröffnet und gilt als das meist fotografierte Hotel der Welt.




Vor dem Hotel ist ein guter Platz um sich fotografisch richtig auszutoben.



Von hier oben hat man einen einzigartigen Blick auf den St. Lorenz- Strom. und die Umgebung. 




Die Dufferin-Terrasse ist über 400 m lang und wurde 1870 als hölzerneTerrasse errichtet. Rund 2 Millionen Besucher sollen jährlich hier herumspazieren.


Das große Schiff ist die Adventure of the Seas und dahinter, die kleine Nußschale, das ist die Amadea.
Heidi, die dritte im Bunde verabschiedet sich, als sie sieht, dass man unendlich viele Stufen steigen muss, um zum riesigen Fort zu gelangen. Mit einem verletzten Knie ist das sicher die beste Idee. Für Marlis und mich beginnt nun der anstrengende Teil des Tages.



Wir haben uns das auch etwas anders vorgestellt, aber wir halten schnaufend durch. Die Aussenmauern des riesigen Forts nehmen einfach kein Ende. Die gesamten Befestigungsanlagen Québecs sind etwa 4,5 km lang. Québec ist die einzige Stadt Nordamerikas mit einer Stadtmauer. Erbaut wurde die Wehranlage zwischen 1608 und 1871.
Als wir schließlich fast einmal ganz drum herum gegangen sind, kommen wir zum Eingang der sternförmigen Festung, die 1812 erbaut wurde.


Angesichts der Tatsache, dass die Besichtigung nur in Gruppe mit Führung stattfinden darf und auch keine farbenfrohe Wachablösung stattfindet, machen wir uns lieber bergab auf den Weg in die schöne Altstadt, die sich in Ober- und Unterstadt teilt.
Dort gibt es noch genug zu sehen, wir haben ja auch nicht unendlich Zeit.


4 Stadttore sind erhalten geblieben, 2 davon haben wir gesehen. Zwischenzeitlich sind sie allerdings mehrfach abgerissen und wieder aufgebaut worden. Man hat sie in die Befestigungsanlagen um die Stadt integriert. Das St. Louis-Tor  (unten) ist das schönere der beiden.

Pferdekutschen drehen ihre Runden und fahren Touristen durch die alten Strassen mit den schön geschmückten Fenstern.






Es wird noch viel mit Holz geheizt und das muss von der Strasse ins Haus befördert werden.

Jetzt haben wir uns schon dem noch mehr touristischen Teil der Altstadt genähert. Langeweile kam bisher nicht auf.






Ein ganzjähriger Weihnachtsladen darf nicht fehlen, aber ich brauche nun dringend Erholung und einen Kaffee.




Nebenan kann ich einer Glasbläserin bei der kunstvollen Arbeit zusehen. Die kleinen Schweinchen gefallen mir so gut, dass ich einem in meiner Wohnung ein neues zu Hause angeboten habe. Es hat ja gesagt. Und damit es nicht so einsam ist, habe ich noch eine schöne Vase dazu gekauft. 






Nun beginne ich meinen Rückweg zum Schiff, auf Umwegen natürlich... 

Die Kathedrale von Québec ist wegen Renovierung geschlossen. Leider sind viele schöne Plätze und Gebäude in Baustellen verwandelt worden. Die Hauptsaison ist vorbei, der Indian Summer auch fast. Vor Wintereinbruch muss offenbar noch viel geschafft werden.





Hier gibt es wieder das beliebte Nationalgericht Poutine mit dem quietschenden Käse. Mir ist allerdings nicht mehr danach. Einmal war ja genug.
Einen kurzen Blick werfe ich noch in den zugänglichen Bereich des Luxus- Hotels. Egal wieviel Luxus das sein soll, an Starbucks scheint hier offenbar keiner vorbei zu kommen. Selbst im Chateau Frontenac ist eine Filiale, und keine besonders schöne, finde ich.



Das waren noch andere Zeiten!



Im Laufe des Tages wird es immer voller. An vielen Plätzen bilden sie riesige Menschentrauben oder ellenlange Schlangen, vor allem da, wo die Touristenbusse für die vielen Passagiere von den Schiffen stehen.



Die Frau -unten- auf der Halsbrecher-Treppe verteilt flüssigen, warmen Ahornsirup auf einem langen Spatel. Das gute Stück kostet 2-3$. Der Ahornsirup erkaltet rasch und wird einigermaßen fest. Aber dann geht die große Schweinerei los. So schnell kann man das Zeug gar nicht wegschlecken, dass es einem nicht auf die Hände tropft. Und schon nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass es viel zu viel und zu süß ist. Einem jungen Pärchen neben mir geht es ähnlich, und wir suchen händeringend nach Tüchern zum Abputzen und einem Mülleimer. War gut, aber 1/8 der Menge wäre genug gewesen.



Jetzt bin ich wieder in der Unterstadt angekommen. Hier dominieren die gemütlichen kleinen Gässchen mit vielen nett anzusehenden kleinen Läden und Restaurants. "Da guckt doch kein Schwein", kann man hier wirklich nicht sagen.






Weder Halloweenspektakel darf offenbar fehlen, noch die überreichlich dekorierten Fenster. Auch Wandmalereien gehören zum Strassenbild dazu.




Ich gehe noch einmal durch die Schirmgasse und erreiche das historisch älteste Viertel von Québec.




Ich bekomme Lust, einzusteigen und loszufahren!

Der Franzose Samuel de Champlain errichtete hier, am Place Royale vor über 400 Jahren die ersten Gebäude und gründete damit die Stadt Québec. Man sagt heute, dass "die Wiege der französischen Zivilisation in Amerika" genau hier steht. 
Der Pelzhandel mit den Ureinwohnern, die die Pelze anschleppten, war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Frankreich und lief optimal. Weitere Häuser wurden gebaut, und die Unterstadt entstand. 74 Jahre später brannte alles nieder. Der Tatsache, dass dann solide und mit Brandschutzmauern gebaut wurde, verdankt man es, dass einiges erhalten blieb.
Die kleine Kirche an der Südseite des Platzes, die Notre-Dame-des-Victoires, ist mit ihren rund 320 Jahren die älteste Steinkirche Nordamerikas. 
Rund 100 Jahre nach dem damaligen Wiederaufbau wurde Québec im Rahmen der Belagerung durch die Briten aber schon wieder schwer zerstört, und erst vor etwa 50 Jahren wurden Beschlüsse zum Wiederaufbau gefasst. Nach vielen Querelen um die genaue Stilrichtung entstand das Viertel, durch das ich heute begeistert spaziert bin.

der Place Royal mit der Kirche "Notre-Dame-des-Victoires"

Ludwig der XIV, derzeit gefangen in der Schneekugel

Seit 1886 steht hier die Büste von Ludwig dem XIV, der damit auch dem Platz den Namen gab, "Place Royal". Der Platz wiederum befindet sich im Stadtgebiet "Petit Champlain", benannt  nach Stadtgründer und Erbauer der ersten Häuser hier.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Schneekugel "Eternal Snow" ein Kunstwerk zweier Künstler (Lucie Bulot und Bylan Collins), die in Toronto leben und soll hier ein Jahr lang die Büste von Ludwig dem XIV. umgeben. Aufmerksam machen soll sie auf die langen und heftigen Winter dieser Region und mit ihrer Anwesenheit die verschiedenen Jahreszeiten miteinander vereinen.

Ein paar Schritte weiter zieht sich das "Fresque des Québécois" etwa 100qm über alle 5 Etagen dieses Hauses. Man muss die Geschichte Québecs kennen und seine bekannten Persönlichkeiten, um alles zu verstehen. Mir gefällt es gut, auch wenn ich die Details nicht kenne.


Strassenmusiker verteilen sich in der gesamten Altstadt. Einer hat viele Zuhörer, der andere weniger.


  
Ich kehre um und begebe mich in eine kleine Strasse, die bergab zur nächsten historischen Gasse führt. Etwas geknickt lasse ich das wirklich einladende Restaurant links liegen. Für solche Extravaganzen reichen die paar Stunden in dieser tollen Stadt leider nicht, jedenfalls nicht, wenn man viel sehen möchte.




Die Brüder Gagnon waren aus der Normandie eingewandert und gründeten genau hier um 1651 ihr erstes Geschäft. Einer von den dreien konnte lesen und schreiben. Er trug so zu ihrem geschäftlichen Erfolg bei, der wohl so bedeutend war, dass die Brüder sogar an der Wand des Gebäudes auf einem Bild verewigt sind.


Das kanadische Museum für Geschichte und Gesellschaft, das zu den meistbesuchten Museen Kanadas gezählt wird, lockt mich noch einmal mit seinen Bildern an den Wänden an. Drinnen geht es aber hauptsächlich um die Kulturgeschichte Québecs und der Ureinwohner. Das ist heute aber nicht mein Thema.





Weiter als bis in die Halle komme ich nicht. Dort existieren noch ein paar schöne Wandbilder und ein bald 300 Jahre altes Schiff liegt in einem Flussbett. Das Gebäude an sich ist interessant konstruiert. 



Die beiden Gebäude des Museums sind draußen durch eine Freitreppe verbunden, auf der diverse Kunstprojekte auf Besucher warten. Ganz oben flattern gelbe Schnipsel, auf deiner Drahtkonstruktion befestigt, in der abendlichen Sonne.





Dieses gelbe Flatterdach ganz oben  hatte mir ja schon am Morgen auf dem Weg in die Stadt zugewunken. Da hatte ich aber noch gar keine Zeit dafür. Jetzt darf es den Abschluss meiner Stadterkundung bilden.




Nur durch dieses Tor kommt man zum Terminal.


Es ist mittlerweile 17 Uhr. und an der Zeit, aufs Schiff zurück zu kehren. Im Terminal weihnachtet es schon. 


Ganz winzig im weißen Pullover zu erkennen, steht Marlis an der Reling. Ein netter Empfang! "Willkommen zu Hause", lautet ja auch der Slogan auf den Phoenix-Schiffen.




Pünktlich um 18 Uhr laufen wir aus. Québec hat mir sehr gut gefallen. Ein paar Tage würde ich es hier sicher aushalten und die Stadt in aller Ruhe genießen.




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