7.10.19 Saguenay
Tag und Nacht wird gefahren, um von Corner Brook nach Saguenay zu kommen.
Saguenay liegt am östlichen Ufer des St. Lorenz Stromes. Die Stadt entstand durch den Zusammenschluss mehrerer weit verstreuter Gemeinden, die alle am Saguenay- Fluß liegen, der hier in den St. Lorenz Strom mündet.
Wir liegen ab etwa 8 Uhr morgens auf Reede. Der Platz an der Pier ist besetzt durch die Zuiderdam, ein Schiff von der Holland America Line mit rund fünfmal mehr Passagieren an Bord als bei uns.
Um alleine rund 1 1/2 Stunden durch den Saguenay Nationalpark zu laufen zu können, muss man einen entsprechenden Ausflug buchen. Eine Stunde fährt uns ein Schulbus hin und her. Um 9 Uhr geht es los.
An Sauberkeit und Bequemlichkeit steht der Schulbus den normalen Reisebussen an nichts nach. Lediglich das Mikrofonsystem ist nicht dasselbe, und die Heizung heizt entweder so auf, dass man Angst hat, gebraten zu werden oder sie rührt sich gar nicht. Immerhin gibt es Fenster, die geöffnet werden können.
Die Fahrt ist wunderbar. Zwar haben wir in Deutschland auch tolle Herbstfarben, hier ist es aber das nicht endende Farbenspiel. Man fährt durch scheinbar unberührte Landschaft und weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Mal begleitet ein Bach die Straße, dann spiegeln sich die farbenprächtigen Wälder in kleinen Teichen oder größeren Seen. In den Flüssen sollen sich Lachse heimisch fühlen, was Angler anlockt.
In den Wäldern sollen sich Jäger tummeln, weswegen es wohl besser ist, nur im Nationalpark zu wandern, wenn man nicht zum versehentlichen Zielobjekt werden will.
Leider drückt der Fahrer tüchtig aufs Gaspedal, ein etwas beschaulicheres Tempo hätte ich mir gewünscht. Und vernünftige Fotos von unterwegs kann man so auch vergessen.
Im Nationalpark stehen aus Zeitgründen -mal wieder die liebe Zeit- nur 2 Wege zur Auswahl. Zum Glück verläuft sich die Menschenmenge nach ein paar Minuten, und man kann sich fast alleine in der Natur bewegen. Unser Bus ist nur zur Hälfte gefüllt, aber mehrer Busse der Zuidendam sind auch auf dieser Tour unterwegs, meistens aber fest an ihre Gruppe geklettet.
Der Bus fährt sofort wieder zurück zum Schiff, um weitere Ausflügler zu holen.
Der Weg entlang des Sees ist bequem und bietet tolle Ausblicke auf die Gegend. Nach Auskunft des kanadischen Reiseleiters sei die Farbenpracht in spätestens 10 Tagen schon deutlich abgeschwächt, vor allem weil sehr viele Bäume bis dahin bereits ihre Blätter abgeworfen hätten. Wir seien gerade zur rechten Zeit hier.

An der Bushaltestelle stehen wir dann mindestens eine halbe Stunde sinnlos herum, weil die vermeintlich gute Idee mit den Schulbussen natürlich ihre Tücken hat. Um die Busse optimal auszunutzen, wird immer eine Fuhre Touristen hergebracht und eine Fuhre wieder mitgenommen. Die Busse warten nicht, die Touristen müssen warten, denn die haben ja Zeit.
Schade! Eine halbe Stunde mehr 'Freigang" bei der sowieso schon knapp bemessenen Zeit wäre besser gewesen!
In der Hafenbucht von Saguenay haben sich zwischen dem Festland und einer kleinen Insel unzählige Gänse niedergelassen. Ganze Schulklassen haben sich versammelt, um sich das Schauspiel anzusehen. Wir rasen mit dem Bus vorbei, durch die Stadt, zurück zum Schiff.
Wir haben noch Zeit. Zurück am Hafen möchten Marlis und ich die hiesige Spezialität ausprobieren. „Poutine" wird hochgelobt, und in einem Lokal in Hafennähe gäbe es die beste Poutine weit und breit!
Wenn so tolle Motorräder vor dem Restaurant parken, kann es ja nur gut sein!Marlis bestellt eine kleine und ich gleich eine mittlere Portion.
Eine Ladung Pommes Frittes kommt in eine Styroporschachtel, darüber wird eine Ladung brauner Soße gegossen. Obendrauf kommt die lokale Käsespezialität in Klumpen und Klümpchen.
Ziemlich skeptisch fangen wir an, uns damit anzufreunden. Vom sogenannten Käse sind wir beide nicht begeistert. Er quietscht regelrecht im Mund, wenn man ihn zerbeißt. Die Pommes sind natürlich knatschig geworden durch die Sosse und begeistern auch nicht. Merkwürdigerweise gewöhne ich mich an alles und kann am Schluss der Soße sogar etwas abgewinnen.
Eine Erfahrung ist es allemal wert gewesen, aber keiner von uns beiden würde es noch einmal bestellen.
In der Stadt gibt es ein Aluminium verarbeitendes Werk. Die giftigen Abfallprodukte würden sicher gelagert. Hoffentlich! Früher wurde auch viel Papier produziert, wegen der Flaute in dieser Sparte hat man sich stärker dem Tourismus gewidmet.
Das typische Gestein der Gegend sei schwarzer Granit und das ist ebenfalls ein erfolgreiches Exportprodukt, welches bis nach China verschifft wird.
In die ganze Welt exportiert wird der Ahornsirup, der zu 70% aus der Provinz Quebec stammen soll, also aus der Provinz, in der wir uns gerade bewegen.
Gemütlich aussehende Häuser und viel Blumenschmuck machen einen einladenden Eindruck.
In der katholischen Kirche werde ich mit Handschlag begrüßt und hereingebeten. Die Dame zeigt mir auch noch den Weg zu einigen der wenigen historischen Wohnhäusern in der Stadtmitte, die eine frühere Feuersbrunst übrig gelassen hat.
Als Taxi kann ich dieses Superauto leider nicht benutzen, obwohl es fahrbereit mit Nummernschild hier herumsteht.
Die Post wird offensichtlich überhaupt nicht mehr in einen Hausbriefkasten zugestellt, sondern man ist genötigt, sich ein Kästchen am Park zu mieten. Wenn man dann gerade noch laufen kann, so wie ein betagter Herr während der Zeit in der ich herumstand, dann schlurft man in Puschen und hängenden Kleidungsstücken hierher, um festzustellen, dass wieder einmal keiner geschrieben hat.
Nun muss ich mich sputen. Um 15.30 müssen alle an Bord sein.
Gerade hat sich der Rettungshubschrauber vom Krankenhaus auf dem Berg in Bewegung gesetzt und fliegt hoffentlich keinem Drama entgegen.
Die Zuiderdam ist auch noch nicht weg, die zahlreichen Gäste sind nicht so schnell verteilt und eingesammelt wie unsere.
Wir werden noch ein Stück in den Fluß, der ja gleichzeitig ein etwa 100 km langer Fjord ist, hineinfahren, um einen Blick aus der Ferne auf die berühmte 8m große Madonna von Saguenay zu werfen.
Die Umgebung ist sehr schön bunt und wie immer bergig. Leider lässt sie sich bei diesem Licht nicht mehr gut einfangen. Da hilft mir auch keine Bildbearbeitung mehr.
Das kleine weiße Pünktchen im oberen Foto ist die Madonna, viel mehr ist bei dem Licht und der Entfernung nicht drin.
Die Amadea bläst dann noch tüchtig in ihr Horn. Der Kapitän will uns mit dem mehrfachen Echo in der Echobucht überraschen. Ob es an meinen Ohren liegt, oder am Echo, das kann ich nicht sagen. Ich habe jedenfalls kein Echo vernommen. Schön war es trotzdem.
Die Zuiderdam folgt uns auf den Fuß gefällt mir in der Dunkelheit besser als am Tage.


















































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