Dienstag, 15. Oktober 2019

Nix wie runter vom Schiff !

15. Oktober
Um Punkt 11 Uhr morgens MÜSSEN alle abreisenden Gäste das Schiff verlassen haben. Dieser Ansage der amerikanischen Behörden ist Folge zu leisten. Das Schiffspersonal darf daran nichts ändern. Nun gut. Andere Länder, andere Sitten...
Vorsichtshalber machen wir uns um halb 11 auf den Weg. Wir haben ja keine Ahnung, welche Einreiseprozeduren uns bevor stehen.

Die Überraschung ist groß, als wir ohne jegliche Kontrolle unser Gepäck durch die leeren, langen Hallen ziehen und auch schon an Pier 88 an der Strasse neben dem Hudson River stehen.
Wifi ist allerdings weit und breit nicht in Sicht. Und das brauchen wir, um ein Uber XL Auto herbei zu rufen. In ein gelbes Taxi passen wir 3 Grazien mit unserem Gepäck nämlich nicht hinein.
2 bewachen das Gepäck, einer rennt los und sucht. Lediglich beim Intrepid Museum gibt es eine Möglichkeit. Dort warten bereits viele Leute auf Einlass. Ein netter Mann von der Security gibt mir fix den Zugangscode zum Museums Wifi und unterstützt mich beim Buchen. Er sei selbst auch Uberfahrer, meint er.
Ich bestelle ein Auto zu Pier 88. Das fährt aber zum Museum, und danach wird die Fahrt von Uber gecancelt.
Ein netter Hafenangestellter hatte uns geholfen, die Koffer gut abzustellen, da kommt auch schon die nächste Furie angerast, schnauzt seinen Kollegen an und macht uns rüde an, nun aber schnellstens die Koffer von da zu entfernen...
Letztendlich zerren wir die Koffer über den Fußweg bis zum Museum an Pier 86, bestellen noch einmal und dann klappt es endlich, und schon befinden wir uns mitten im Stau auf der Uferstrasse. Bis Harlem dürfte es aber nicht allzu weit sein.
Um unsere gemietete Wohnung betreten zu können, müssen wir zunächst den Schlüssel aus einem kleinen Sicherheitskästchen holen, das klitschnass an der Baumeinfassung vor dem Haus hängt. Dort gibt es noch 3 weitere dieser Kästchen, aber dank der Beschreibung der Vermietern wird es nicht zum Problem. Marlis regelt das ruckzuck und trocknet das Kästchen erstmal ordentlich aus. Soviel Zuwendung hat es bestimmt lange nicht bekommen! Ein schnelles Foto vom Zahlencode, dann kann es reingehen.

Die Fotos entsprechen wohl den Angaben, aber vor Überraschungen ist man bei den Unterkünften nie sicher. Alle 3 Räume haben deutliche Vor- und Nachteile. Etliche Glühbirnen fehlen. In einem Raum gibt es kein einziges kleines Regal. 2 Räume sind tagsüber mehr oder weniger dunkel, und der eigentlich helle Raum auch, es sei denn man lässt die Fußgänger draußen an seinem Leben teilhaben. Für mich wäre es unvorstellbar, die Wohnung mit 2 Fremden zu teilen, wofür sie auch angeboten wird.
Wir richten uns alle 3 irgendwie in unseren Räumen ein, schieben Stühle und Lampen hin und her, bis jeder einigermaßen versorgt ist. Marlis spült als Küchenfee schonmal das Grundgeschirr ab. Man weiß ja nie, wie das letzte Saubermachen ausfiel. Und sie wischt die Flächen ab, die wir benutzen werden. Danach fühlt man sich gleich wohler.

Nach einer kurzen Mittagspause schauen wir uns die 3 Minuten entfernt liegende Metrostation an und laufen in Richtung Norden. Wir sind auf der Suche nach etwas Essbarem.
Bei Kentucky Fried Checken werden wir fündig und bestellen gleich 24 Chicken Wings mit scharfer Honigsauce. Mit Mühe schaffen wir diese Menge. Es schmeckt köstlich. Die Umgebung ist ein wenig schmuddelig, die Hände bleiben leicht klebrig, aber wir wollen da ja nicht übernachten, sondern ziehen schnell weiter.


Wir erreichen das -laut Blechschild an verschlossenen Gittertoren- einzige Mausoleum New Yorks, das noch in Betrieb sein soll und auf einem Hügel liegt. Bestimmt hat man von dort aus einen guten blick auf den Hudson River.


Gegenüber befindet sich die große United Trinity Church mit ihrem alten weitläufigen Friedhof.


Erika wird langsam fußlahm und geht zurück. Marlis und ich laufen weiter den Broadway hinauf, der sich bis hierhin und noch weiter zieht. Nachdem wir unzählige, darunter auch sehr schöne Häuser gesehen haben, entscheiden auch wir uns, umzukehren. Das Gebäude mit den Säulen gehört zu einer der vielen Universitäten in der Stadt.
Marlis neue Schuhe haben das Wohlfühlversprechen absolut nicht gehalten, und ich bin auch erledigt.
Wir sind nur noch 18 Blocks von der George Washington Bridge entfernt. Das heißt, dass wir sehr weit gelaufen sind. Ich hatte mir eingebildet, wir erreichen sie. Aber meine Lektion in puncto Entfernungen werde ich hier in New York ganz schnell lernen müssen.





Irgendwie hat man hier noch ein Haus dazwischen klemmen können.


Und dieser Baustil scheint einst besonders beliebt gewesen zu sein.



Gleich um die Ecke wird's gemütlicher. Die meisten Häuser scheinen als Wohnhäuser zu dienen, aber auch einige kleinere Firmen haben sich hier niedergelassen und eine Kinderkrippe, in der mehrere Papas vorfahren, um die Kleinen in Empfang zu nehmen.





Ganz witzig finde ich hier die asymmetrische Bauweise. Während die Tür nach rechts ausgerichtet ist, führen die Treppenstufen nach links.




In der beginnenden Dämmerung laufen wir vorbei an einer Holzente auf dem Mittelstreifen und großen Grafittis. An anderer Stelle wird Schach zwischen den Fahrbahnen gespielt, während der besonders beschriftete Laster auf seinen Fahrer wartet. Es kann auch ganz gemütlich zugehen in New York.








Bevor es dunkel ist, gehen wir noch über den alten Friedhof, auf dem sich etliche Gräber von in New York bekannten Persönlichkeiten befinden sollen. Die Kirche wird gerade renoviert, eine kleine Seitentür steht aber offen und gibt einen schönen Blick frei.





Die Hörnchen lassen sich mit Eicheln locken, obwohl diese massenhaft im Gras herumliegen.


Auf unserer Route sehen wir unzählige kleine Apotheken, viele Kirchen, kleine Kramläden, wenige Supermärkte und einige Obst- und Gemüsestände. Sogar ein Geschäft mit frischem Fisch gibt es. Teuer scheint hier alles zu sein. 1 Liter Milch kostet um die 2 Dollar, ein halbes Pfund Butter knapp 5 Dollar. Etwas davon schleppen wir auch "nach Hause".





Die Bevölkerungsstruktur hat sich auf unserem Weg kontinuierlich geändert. Während es in unserem Viertel viele Farbige und Weiße gibt, scheinen weiter im Norden von Harlem besonders viele Latinos zu wohnen. Allerdings ist die Gentrifizierung auch schon dorthin unterwegs. Viele Wohnungen sind bereits in der Hand von gut betuchten Yuppies, und es wird weiter renoviert und zum Kauf angepriesen.

Kaputt, aber wieder voller Eindrücke setzen wir uns zum Abendessen zusammen. Es gibt Brötchen, Mozzarella und Tomaten. Die Mikrowelle macht viel Freude. Es gibt unendlich viele Knöpfe, und einer dient offenbar dazu, sie als Ventilator für den ganzen Raum zu benutzen. Den An-Knopf dafür hatte ich versehentlich gedrückt, den Aus- Knopf nicht gefunden. Zum Glück hat sie sich irgendwann selbst ausgeschaltet.
Die Heizung im allgemeinen Wohnraum schaltet sich auch mit großem Getöse ein und aus, ganz wie es ihr gefällt. Na dann... Gute Nacht!



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