Montag, 14. Oktober 2019

Ankunft in New York

14. Oktober
New York ist erreicht. 5300 Seemeilen haben wir seit dem Ablegen in Hamburg zurück gelegt.
Bei richtig kaltem Wind fährt die Amadea noch in der Morgendämmerung unter der Verrazano Bridge hindurch.


Alle, die schon draußen sind, wollen nun endlich die Freiheitsstatue sehen. Entsprechend groß ist die Drängelei an Bord.


Danach kommt uns die Skyline regelrecht entgegen. Das ist schon beeindruckend! Bis zu unserem Anlegeplatz ist es noch ein Stückchen den Hudson River hoch, vorbei an imposanten Häusern, die von weitem gar nicht wuchtig wirken.



Am Pier sind wir eingerahmt von 2 großen Schiffen aus der AIDA Gruppe, die zusammen 4000- 5000 Passagiere an Land lassen. Wir sind mit unseren maximal 600 Passagieren dagegen ein Zwerg.



Es dauert lange, bis man vom Schiff runter gelassen wird. Zuerst sind die Behörden dran, und die brauchen ihre Zeit.
Um 11 Uhr ist es endlich soweit. Durch viel Gedränge geht es in langen Reihen durch lange Hallen bis zur Gesichtskontrolle ("face-control") erfolgt.
Dazu muss man einzeln an einen Schalter herantreten, von allen 10 Fingern die Fingerabdrücke abliefern und sich das Gesicht ablichten lassen. Bei mir sitzt eine fast völlig vermummte Muslima. Nur ihr Gesicht ist frei, alles andere schwarz verpackt, auch die Hände in schwarzen Handschuhen versteckt. Handschuhe sind keine Pflicht. Manch ein Kontrolleur hat keine, andere haben dünne hellblaue Handschuhe an, um sich vor möglichen Keimen auf den Pässen zu schützen. Nur die ganz Mutigen fassen die Pässe mit nackten Fingern an.
Der Vorgang ist rasch abgehakt, gefragt werde ich nichts. Nun kann ich offenbar hingehen, wohin ich will.
Auf der Uferstraße staut sich der Verkehr in beiden Richtungen. Fahrradfahrer rasen schnell über die Radwege, einige Jogger hinterher. Auf dem Fussgängerweg ist es etwas gemütlicher.
Fast neben Pier 88, wo wir liegen, ist das Intrepid Sea, Air & Space Museum. Dort werden Flugzeugträger und vieles Andere aus dem 2. Weltkrieg ausgestellt, aber auch eine ausgemusterte Concorde soll dort sein, Gerätschaften aus dem Weltraumprogramm und einiges mehr. Ich verzichte.
Gleich daneben fahren die Boote ab, mit denen man Rundfahrten z.B. um Manhattan machen kann.




Ich habe ein anderes Ziel, und das ist der 2,3 km lange High Line Park. Der wird zu einer der größten Attraktionen der Stadt gezählt.
2005 wurde von der Stadt beschlossen, aus der ehemaligen Hochbahntrasse für Güterverkehrszüge  eine Grünanlage zu machen, die 2019 mit einer letzten Spur endgültig fertig gestellt wurde.
Es dauert länger als gedacht, bis ich zum Ende der High Line gelange, und alleine bin ich hier nicht. Mehr als 7 Millionen Besucher jährlich spazieren entlang der alten Gleise zwischen Blumen, Büschen, Kunstwerken und Wahnsinnsbauten.


Gleich links ragen Gruppen von neuen Hochhäusern in die Luft, davor liegen in der Tiefe die vielen Gleise, die in die Central Station führen, und über mir flattern die bunten Fähnchen im strammen Wind, sich immer weiter rechts entfernend fließt der Hudson River.








Die weltberühmtesten Architekten haben sich hier ausgetobt. Die Boden- und Wohnungspreise im Stadtteil sind natürlich in unvorstellbare Höhen geschossen und eine massive Gentrifizierung wird mittlerweile beklagt. Über die massiv gestiegenen Steuereinnahmen hingegen sind keine Klagen zu vernehmen.


Das mittig liegende, von Zaha Hadid -die 2016 leider schon verstarb- entworfenes Wohngebäude liegt direkt an der High Line. Es war eines ihrer letzten Werke und ihr erstes in New York. Die größte Wohnung hat fast 600 qm und etwa 44 Millionen Euro gekostet!


Mit der Identifizierung des Appartmentturms in New York von Frank Gehry tue ich mich schwerer. Einer davon muss es wohl sein.
Zwischen all den Superlativen gibt es noch wenige ältere Gebäude. In einem scheint ein Mensch zu wohnen, der seine politischen Ansichten ans Fenster klebt. Ab und zu blitzt Kunst von Häuserwänden durch die Lücken und kleine Blümchen tauchen im Halbdunkel unter den Büschen auf.









Wegen meines Infektes schwächele ich noch immer. Die Folge ist, dass ich klitschnass geschwitzt bin und einige der aufgestellten Ruhebänke dankbar in Anspruch nehme.










Ich bin froh, als ich es endlich bis zum Anfang der High Line geschafft habe und steige hinunter in den Meatpacking District. Hier gibt es zwar noch ein paar fleischverarbeitende Betriebe, aber von Rotlichtviertel ist nichts mehr zu sehen. Die Kreativbranche und schicke teure Geschäfte im Edellook haben sich jetzt niedergelassen. Kunden sehe ich eigentlich keine, nur sehr wenige vornehm auftretende Verkäufer.
An einer belebten Kreuzung begegne ich erstmals den antiquiert wirkenden rauchenden Schloten mitten auf den Gehwegen. Sowohl über diese Röhren, als auch über die Gullydeckel werden irgendwelche Dampfleitungen ihren Überdruck los. Irgendwo hier beginnt nach Plan auch Chinatown, wo ich aber das ist nicht mein Ziel.



Ich gönne mir eine Pause in einem Café.


Irgendwie muss ich mich ja nun wieder in Richtung Norden aufmachen, nachdem ich stramm südwärts gewandert bin.
Zunächst stolpere ich in die Gansevoort Street hinein und freue mich, dass ich endlich schöne Backsteinhäuser mit ihren hohen Eingangsstufen und teils sehr schönen Eingangstüren entdeckt habe. Auch die schmucken Zäune gefallen mir. Es ist alles so, wie man es aus Filmen kennt, obwohl diese Strasse nur recht kurz ist und auch reichlich andere mehr oder weniger schöne Häuser hier stehen.










Auf dem Stadtplan springt mir nun das Flatiron ins Auge. Das erscheint mir erreichbar. 1902 wurde das "Bügeleisen" fertig gestellt und war damals eines der höchsten Gebäude der Stadt. Ich muss nur die Fifth Avenue hochlaufen, die sich mit dem Broadway trifft. dann kann ich nichts verfehlen. Also muss ich weiter Dampf machen...




Nahe beim Flatiron Gebäude kann man sich im Madison Square Park gemütlich auf einer Bank niederlassen, den Spatzen, den Hörnchen, dem Springbrunnen oder den Menschen zusehen. Auch Zuhören ist angesagt. Hin und wieder wird Musik gemacht. Rundherum machen die imposanten historischen Gebäude klar, dass dies eine Gegend ist, wo sich auch früher schon die Reichen niedergelassen haben.





Es hilft alles nichts. Ich muss mich wieder aufraffen und bis zu Madame Tussaud's gehen. Dort soll man das vorbestellte Ticket für Ausflüge in New York abholen. Ich komme auch rechtzeitig an, suche aber meine 2 Mitstreiterinnen für New York und vertraue den schriftlich angegebenen Öffnungszeiten. 3 Minuten zu spät stehe ich um 5 am Schalter, der aber schon geschlossen ist. Dumm gelaufen. Nun muss ich morgen nochmal hin.
Unterwegs komme ich auch an zahlreichen kleineren und größeren Kirchen vorbei. Die meisten sind geschlossen. Die vielen verschiedenen Ausrichtungen will ich mir gar nicht merken. Jede Gruppe ist davon überzeugt, dass nur sie den einzig richtigen Draht nach oben hat. Da hält man sich sowieso am besten raus.



Die Schatten werden immer länger und in den Straßenschluchten wird es immer dämmriger. Für manche Menschen ist der Tag noch lange nicht vorbei.






Es wird immer hektischer, ich bin wohl bald da.





Madame Toussauds ist erreicht, aber der Schalter hat zu.


Nun schleiche ich zum Schiff, aber auch auf diesem Wege gibt es noch was zu entdecken.


Ich muss jetzt noch Koffer packen und falle ins völlig kaputt Bett. Die letzte Nacht an Bord steht an.


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