Heute habe ich wohl meinen Mimosentag. Als ich am Broadway aussteige, bin ich schon bedient. Es rattert, rauscht, knattert, kreischt, hupt, ratscht, quatscht, rempelt ohne Unterlass. Ein ständiges Drängeln und Gedrängtwerden bei hohem Geräuschpegel. Wer plötzlich stehenbleibt, ist gerade in sein Smartphone vertieften dem ist egal, was drumherum passiert. Ob das Kind jammert, dahinter jemand stolpert, jemand eilig weitergehen möchte, alles egal. Das Smartphone hat Vorfahrt.
Grundsätzlich überquert man bei Rot die Straße, was manchmal Sinn macht, manchmal aber für die Autofahrer, die in der City ständig im Stau stehen, eine echte Zumutung ist. Umfahren dürfen und wollen sie ja auch niemanden.
Wie man das auf Dauer freiwillig aushalten kann, das ist mir ein Rätsel. Selbst 10 Tage können ganz schön lang sein. Aber los geht's...
Mein erstes Ziel ist "Top of the Rock", die Aussichtsplattform des Rockefeller Centers. Draußen steht die Schlange schon bis zur Rockefeller Plaza. Bei Regen geht's ins Museum, bei schönem Wetter hoch hinaus. Ich mache es ja genauso.
Ich habe eine Karte mit Voranmeldung und komme so ohne Warteschlange hinein. Ganz schnell ist man trotzdem nicht oben. Es finden Taschenkontrollen statt, und es kommt immer wieder zu Staus. Der Aufzug katapultiert mich dann aber mit rasender Geschwindigkeit auf 260m über dem Meeresspiegel. Ich habe ausreichend Zeit und auch genügend Platz um mich herum, um mir bei bestem Wetter New York noch einmal von oben anzuschauen. Man hat einen tollen Blick auch über den Central Park, der vom Empire State Building fehlt.
Bei den Fahrstühlen nach unten steht man ziemlich lange an. Aber das ist immer noch besser, als die Treppen zu nehmen!
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| Blick in Richtung East River |
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| ich war wirklich oben... |
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| das Empire State Building ist bis zur Antennenspitze 443m hoch |
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| Blick zum Central Park |
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| mit guten Augen kann man die Freiheitsstatue erkennen |
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| dies ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfotos |
Ich lasse mich auf der Plaza nieder und gönne mir eine "Lobster Roll". Das ist so eine Art Hotdog Brötchen, in das aber kein Würstchen, sondern viel Hummer mit etwas Sauce, angeblich auch Paprika und Frühlingszwiebeln. Zu deren Identifizierung hätten sie mir allerdings eine Lupe reichen müssen. Abgesehen davon, was es köstlich!
So ähnlich sah mein Exemplar auch aus, nur dass ihnen wohl das Grünzeug ausgegangen war.
Einmal schaue ich mir noch die Aktivitäten auf der Eisfläche an. Morgen werde ich wahrscheinlich hier nicht mehr herkommen. Nachdem das Eis gesäubert und geglättet wurde, drehen die Läufer und solche die es werden wollen ihre Runden.
Die kleinen Marktstände sind wieder aufgebaut.
Am Gemüsestand, dessen Ware aus ökologischem Anbau stammen soll, liegen u.a. Spinatbündel herum. Sie sehen aus wie aus dem Bilderbuch, wunderbar gleichmässig und makellos. Vielleicht kommen sie ja aus einer gentechnisch- ökologischen Versuchsfabrik? Ob es das gibt in Amerika? Die anderen Gemüsesorten sehen auch alle aus wie aus dem Vorzeigebetrieb einer Genfabrik für Gemüse. Ein Bündel gleicht dem anderen. Alle sind geputzt, getrocknet, auf die gleiche Länge gestutzt oder sogar gleichlang gewachsen. Ich sehe kein welkes Blatt, keinen krummen Stiel, kein verdrehtes Blatt.
Cookies, Kuchen und Brot werden an 3 oder 4 Ständen verkauft. Eine Frau hat Ahornsirup, ein anderer meine ich irgendetwas Alkoholisches im Angebot, ein Stand bietet Obst an, und das war's.
Ich überlege, wo ich jetzt ein ruhiges Plätzchen finden könnte und bewege mich zunächst scheinbar ziellos durch die Strassen, bis ich meine Richtung wahrnehme. Ich bin auf der Seventh Avenue und steuere den Central Park an! Ich will raus aus dem Lärm und Gestank!
Der Weg zieht sich ziemlich in die Länge, alleine dadurch, dass es ja immer wieder etwas zu entdecken gibt und ich es nicht lassen will, nach links und rechts zu schauen. Mal es eine imposante Halle einer Bank, mal ein schöner Innenhof.
Um die Ecke entdecke ich einen großen Durchgang in einem mir relativ neu erscheinendem Haus, das offenbar auch zum Rockefeller Komplex gehört.
Das farbig gestreifte Werk an der Wand ist aus Glas und sieht faszinierend aus, genauso wie die Hundereporter davor.
Weiter geht es wieder draußen. Urplötzlich erscheinen 35 Figuren bunte Polospielerfiguren auf einem Balkon und der Treppe. Ich nehme an, es ist irgendein Clubhaus eines berühmten Vereins. Da mir mein Unwissen keine Ruhe läßt, weiß ich nun, was das alles bedeutet!
Es handelt sich hier um das bekannte Lokal '21 Club" (ich kannte es nicht...), eröffnet 1930. In Zeiten der Prohibition von 1920 bis 1933 ließen die Eigentümer des Lokals geheime Türen, Treppen und Räume erreichten, die teilweise im Haus Nummer 19 lagen. Somit konnten sie erfolgreich Alkohol im Verborgenen ausschenken, ohne erwischt zu werden.
In den 30er Jahren schenkte dann ein Stammgast dem Lokal den ersten Jockey, woraus sich eine Tradition entwickelte und 35 daraus wurden.
Von außen wirkte es auf mich absolut nicht wie ein Lokal, zumal auch das geschichtsträchtige Gittertor geschlossen war. Es wurde 1926 hergestellt, als die Gründer ein neues Lokal eröffneten. kurz darauf mussten sie dort aber weichen, weil das Rockefeller Center genau da gebaut wurde. Sie zogen an die jetzige Adresse und nahmen ihr Tor mit.
In den 30er Jahren schenkte dann ein Stammgast dem Lokal den ersten Jockey, woraus sich eine Tradition entwickelte und 35 daraus wurden.
Von außen wirkte es auf mich absolut nicht wie ein Lokal, zumal auch das geschichtsträchtige Gittertor geschlossen war. Es wurde 1926 hergestellt, als die Gründer ein neues Lokal eröffneten. kurz darauf mussten sie dort aber weichen, weil das Rockefeller Center genau da gebaut wurde. Sie zogen an die jetzige Adresse und nahmen ihr Tor mit.
Freie Parkplätze werden schonmal genutzt, um den Büroarbeitern mit einem Snack über den langen Tag zu helfen. Um Ideen, ihre Wagen individuell zu gestalten, sind die Leute nicht verlegen.
Nur Cafés scheinen rar zu sein. Zunächst gefällt mir das kleine auf der anderen Strassenseite. Aber da ich ja dann immer noch auf der Strasse gesessen hätte, verzichte ich.
Die Carnegie Hall taucht auf. Ich bin begeistert und hoffe auf eine Konzertkarte von etwas, was mir gefallen würde. Aber Pech gehabt. Heute ist nichts mehr, und morgen Abend muss ich packen.
Ein paar extrem übergewichtige Aufpasser und Aufpasserinnen sitzen breit auf ihren viel zu schmalen Stühlen in den Nischen vor den beiden Aufgängen, unterhalten sich die ganze Zeit und üben ihre Macht aus, sobald sich ein Betrachter nähert. Keine einzige Stufe darf man hochgehen! Streng verboten! Oben sei eine Veranstaltung, von der ich später wegen der geöffneten Türen einiges mitbekomme. Schöne Musik jedenfalls. Es scheint ein privates Konzert zu sein, denn es steht nicht im Veranstaltungsprogramm. Freundlichere Töne werden dort jedenfalls produziert als von den Wachhunden in ihren knallbunten Uniformen, die eher in eine Zirkusmanege passen würden. Naja ja, genug Zirkus haben sie ja auch gemacht. Das Feld beherrschen sie jedenfalls.Nicht einmal ein Starbucks begegnet mir in dieser Gegend. Zum Glück brauche ich gerade kein Internet. Den Weg finde ich auch so.
Dann bin ich endlich im Park und genieße ihn ganze 3 1/2 Stunden. Irgendwo treffe ich auf ein Holzhäuschen mit einer netten Dame, die Pläne vom Park verteilt. Er gehört übrigens zu den grössten Stadtparks der Welt.

Hier gibt es eine Eisbahn, an der die Trump Organisation beteiligt ist. Sie wird gerade von einem Trumpmobil für den Saisonstart vorbereitet. Wie praktisch, wenn alles in Familienhand ist!Die vielen felsigen Hügel bieten Gelegenheit, sich niederzulassen und eine meditative Pause einzulegen, ohne durch den Lärm der nahen Stadt gestört zu werden. Es gibt unzählige Wege kreuz und quer durch den Park. Ein kleiner Wegweiser ab und zu wäre meiner Meinung nach nicht schlecht.
Die nächste Gelegenheit zur Kaffeepause lässt zum Glück nicht allzu lange auf sich warten.Viele Chancen habe ich nicht in diesem riesigen Park beim Auffinden von Cafés. Es gibt nämlich kaum welche. Aber hier ist ein beschauliches Plätzchen am See, das mir gut gefällt.
Am kleinen Zoo sind auch Lokale, die wirken auf mich aber nicht sehr einladend. Eine Bank mit Aussicht finde ich als Alternative dann deutlich besser.
Der Obelisk wird Cleopatras Nadel genannt, soll 3.500 Jahre alt sein und im 19. Jahrhundert von der ägyptischen Regierung an Amerika verschenkt worden sein. Ein zweiter Obelisk ging auf dem gleichen Wege zur gleichen Zeit nach England.
Viele Schulkinder sind mit Sportgruppen im Park. Die Mamas sitzen oder stehen dabei, die Kinder toben mit ihren Trainern über die Wiesen.
Der "Ladies Pavilion" stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Heute kann man sich dort sogar von Friedensrichter trauen lassen! Wenn das nichts wird, schaut man sich eben "Sex and the City" an, da soll der Pavillon auch eine Rolle spielen.
Am Cedar Hill lege ich eine kleine Pause ein. Dazu muss ich den Hügel erst einmal erklimmen. Noch ist es warm genug, um in der Sonne zu sitzen. Ein paar Familien sind hier. Die Kinder toben barfuß herum. Pärchen genießen die Zweisamkeit. Im Winter sollen die Rodelschlitten den Hügel bevölkern.
Die Zedern ganz oben sind ziemlich ausladend und haben kräftige Stämme.
Intensive Laubfärbung kann ich leider noch nicht entdecken, nur ab und zu lässt sich erahnen, wie es in Bälde aussehen könnte.
Ganz oben auf dem Hügel lockt die Bank.
Wenn man da drüben ganz oben eine Wohnung hat, dann gehört man wohl in New York dazu, zur feinen Gesellschaft.
Jetzt versuche ich mal, ein bisschen Indian- Summer- Atmosphäre zu verbreiten.
Die neugierigen Hörnchen fehlen in keinem Park. Besonders freuen sie sich, wenn man ein paar Nüsse mitbringt.
Die Brücken im Park habe ich nicht gezählt. Es sind viele und teilweise schöne alte Exemplare aus Stein.
Es gibt überraschend viele Hügel im Park, die meisten sind gut bewaldet. Die Namen kann ich mir nicht alle merken, bringt ja auch nichts. Ich suche jetzt nur noch das Belvedere Schlösschen. Ein Kompass wäre dabei wahrscheinlich hilfreicher gewesen, als Google Maps oder die Befragung von einheimisch aussehenden Spaziergängern.
Belvedere Castle steht auf dem höchsten Punkt des Parks auf einem massiven Schieferfelsen. Die viel gerühmte Aussicht konnte mich nicht beeindrucken, das Schlösschen selbst auch nicht. Vielleicht bin ich zu frustriert wegen der langen Sucherei.
Auf dem weiteren Weg begegnet mir schon wieder ein See und dort blühen sogar noch ein paar Sommerblumen.
Die Sucherei hat ein Ende. Ich verlasse den Park, bevor es dunkel ist.
Das nächste Ziel ist einfacher anzupeilen. Ich gelange über diverse Querstrassen zum Lincoln Center, wo sich die Metropolitan Oper befindet.
Gegen 18.00 fällt die Nacht auf New York, und die vielen Lichter gehen an. Der Lärm wird nicht weniger. Jetzt wird es noch voller auf den Straßen. Die Leute wollen nach Hause.
Das Lincoln Center ist groß, und die Oper liegt etwas zurückversetzt.
Die Metropolitan Oper ist hell erleuchtet, und davor gibt es schöne Wasserspiele, die im Dunkeln besonders schön aussehen.
Auf dem "Heimweg" springe ich an einer Haltestelle aus der Bahn, weil ich dort schon auf dem Hinweg Metrokunst entdeckt habe.
Es ist eine kleinere Station, und ich finde diese Kunstwerke nicht so überwältigend. Sie wurden 1981 von Nizza Rufino gestaltet und nennen sich "Westside Views".


Die nächste Bahn bringt mich pünktlich 8 Minuten später "heim". Beim Aussteigen sehe ich die kleinen eingelegten Bronzeplatten, die ich sogar schon im wenig hilfreichen Verzeichnis über viele der Kunstwerke entdeckt hatte.


Das Gesamtwerk nennt sich:„Fossils" und wurde 1985-87 von Steve Wood geschaffen.
Mit einer Flasche Sekt vom Schiff und Chips verbringen wir unseren letzten gemeinsamen Abend zu dritt.
Jeder von uns hat den Tag für sich optimal genutzt. Langeweile hatte keiner von uns in New York.
Erika und Marlis waren heute bei der Brooklyn Bridge und auf Staten Island. Marlis hatte heute Glück und rutschte als letzte Teilnehmerin noch in eine sehr interessante Führung durch das UNO Hauptquartier
Erika fliegt bereits morgen ab. Marlis und ich haben für übermorgen Flüge gebucht. Noch einen ganzen Tag in New York haben wir vor uns.










































































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